| Mundgesundheit bei Kindern |
Viel Prophylaxe = wenig Zahnarzt
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Liebe Eltern,
immer noch ist
Karies eine Volkskrankheit - sie zählt zu den Zivilisationskrankheiten
einer Wohlstandsgesellschaft. In weiten Teilen der dritten
Welt ist Karies aufgrund des vielfältigen Mangels unbekannt.
Dennoch haben wir alle die Möglichkeit,
durch einfache und regelmäßige Maßnahmen die Entstehung
von Karies und Parodontitis zu verhindern. Der Grundstein
dafür wird schon kurz nach der Geburt gelegt, wie Sie weiter
unten gleich lesen werden.
Die folgende Grafik (Fa. Dentsply)
veranschaulicht, welche Auswirkungen Bakterien an und in
Zähnen und am Zahnbett ohne regelmäßige Vorsorge und Prophylaxe
haben:
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3-Säulen
Prinzip der Mundgesundheit bei Kindern und Erwachsenen |
Die moderne Auffassung lebenslanger
Vorsorge geht von drei
wichtigen Säulen zur lebenslangen Gesunderhaltung der Mundhöhle
aus:
- Frühzeitige Beeinflussung des "Biotops
Mundhöhle" in
der Art, daß sich Karies- und später Parodontitisbakterien
gar nicht erst "wohl fühlen" und etablieren. Man weiß,
daß Karies nicht "vererbt", sondern von den Eltern/Großeltern/Geschwistern
auf das Baby durch Tröpfcheninfektion übertragen wird *).
Dabei wird schon in den ersten Lebenstagen/-wochen die
Mundhöhle des Baby´s mit einer Speicheldosis "beimpft"
und die darin enthaltene bakterielle Mischflora breitet
sich schnell in der Mundhöhle aus und nistet sich ein.
- Regelmäßige zahnärztliche Prophylaxebehandlungen schon
ab dem Kindesalter (Erfassung des Kariesrisikos, Erhebung
und chronologische Dokumentation des Plaque-Index) zur
lebenslangen Vorbeugung vor den Zivilisationskrankheiten
Karies und Parodontitis.
- Effektive tägliche häusliche Mundpflege, insbesondere
mit regelmäßiger Zahnzwischenraumpflege, Zungenreinigung
und Fluoridierung.
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*):Wenn der "Spender" (Mutter,
Vater, Geschwister o.a.) eine gesunde und wenig Karies-anfällige
Mundflora hat, wird auch das Kind eine solche etablieren.
Im anderen Fall wird mit der ersten Übertragung der Grundstein
für lebenslange Anfälligkeit gelegt.
Ein Defizit allerdings kann tatsächlich vererbt werden:
Ca. 40% aller Mitteleuropäer besitzen leider einen degenerativen
Gen-Defekt, der dazu führt, daß ein wichtiges sog. Gamma-Globulin
nicht gebildet werden kann, das zur Bekämpfung insbesondere
bestimmter Parodontitis-Bakterien wichtig ist. |
Was können Sie für Ihr Kind tun
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Wenn Sie folgende Punkte beachten, können Sie
viel für die Gesunderhaltung der Zähne Ihres Kindes tun:
- Regelmäßige Prophylaxe schon in der
Schwangerschaft,
um nach der Geburt eine bakteriell unbedenkliche Mundflora
zu besitzen.
- Achten Sie bei Ihrem Baby darauf, daß es in den ersten
12 Wochen nicht mit Keimen aus Mundhöhlen mit bestehender
Karies oder Parodontitis infiziert wird.
- Bringen Sie Ihr Kind schon im Baby-Alter zu Ihren
eigenen Zahnarztbesuchen mit, damit es mit der
Umgebung und den Gerüchen in einer Zahnarztpraxis vertraut
wird.
- Beginnen Sie so früh wie möglich mit "Zahnputzspielen",
um Ihrem Kind die Scheu vor einer Zahnbürste zu nehmen.
Geben Sie Ihrem Kind ab dem 6. Lebensmonat eine Zahnbürste
zum Spielen - es wird schon bald darauf herumkauen.
- Die Frage, ob Sie Ihrem Kind Fluorid-Tabletten geben
sollen, wird nicht einheitlich beantwortet. Viele Kinderärzte
und Zahnärzte (wie auch wir) sehen in der Fluorid-Gabe
mit Tabletten keinen konkreten Sinn mehr.
- Die richtige Zahnbürste hat einen möglichst kleinen
Bürstenkopf, damit Ihr Kind in seiner sensiblen
Mundhöhle kein Fremdkörpergefühl empfindet.
- Der erste Zahnarztbesuch sollte mit ca. 2 Jahren
stattfinden. Seien Sie unbesorgt, wenn Ihr Kind
hier noch nicht den Mund aufmachen möchte.
- Vermeiden Sie unbedingt, Ihrem Kind Apfelsaft
oder Apfelschorle in der Nuckelflasche anzubieten -
die Fruchtsäure löst die weichen Milchzähne an, der Fruchtzucker
gibt den Kariesbakterien Nahrung.
- Ihr Zahnarzt wird Ihnen ggf. frühzeitig den Rat geben,
einen Kieferorthopäden aufzusuchen. Vielfach treffe ich
auf großes Erstaunen, wenn ich Eltern empfehle, ihr Kind
schon mit 4 oder 5 Lebensjahren einem Kieferorthopäden
zur Diagnostik vorzustellen. Beachten Sie bitte,
daß sich die Behandlungsmethoden in den letzten 10 Jahren
auch in der Kieferorthopädie stark verändert/verbessert
haben. Die alte Regel, daß erst mit 9 Jahren mit
einer Behandlung begonnen wird, gilt schon lange nicht
mehr für alle Kinder.
- Beachten Sie bitte weiterhin, daß der Gesetzgeber die
kieferorthopädischen Behandlungsmöglichkeiten bei Kindern
vor einigen Jahren stark eingeschränkt und in die finanzielle
Eigenverantwortung der Eltern übergeben hat. Eine Entwicklung,
die wir Zahnärzte nur schwer nachvollziehen können.
- Bringen Sie Ihr Kind regelmäßig zur Kinderprophylaxe -
hier werden die Zähne professionell auf Kariesrisiken geprüft,
Pflege-Defizite mit Ihrem Kind und Ihnen angesprochen und
die Zähne auf verschiedene Weise gepflegt und gehärtet
(siehe auch >>> Mundgesundheitsprogramme !)
- Wenn es tatsächlich nötig werden sollte, bei Ihrem Kind
eine kariösen Defekt behandeln zu müssen,
so werden wir dies mit aller möglichen Vorsicht
und sehr einfühlsam tun. Diejenigen Kinder, die
wir schon vom Kleinkindalter an unsere Praxis und Behandlungsmethoden
gewöhnen konnten, erleben solche Behandlungen in den allermeisten
Fällen ohne Streß und Ängste.
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