Moderne Wurzelbehandlungstechnik Stand 2010 mit hoher Erfolgsrate
Abb. 1)   Die Steigerung der Erfolgsrate von 50% auf über 90% bei Wurzelbehandlungen seit 1980 ist das Ergebnis einer stetigen Weiterentwicklung von Behandlungstechniken und weiterentwickeltem Instrumentarium.

Die Abbildung 1) zeigt in roter Färbung das Zahnmark (Pulpa, "Nerv") der Zähne sowie die Wurzelkanäle. Frontzähne haben einen Wurzelkanal, Seitenzähne 2-4, selten mehr. Die Wurzelkanäle verzweigen in der Wurzelspitze in mehrere Seitenkanäle (Abb. 2).

Diese Seitenkanäle sind mechanisch nicht zu erreichen und können nicht von abgestorbenem Gewebe befreit werden.

  Abb. 2)

Abb. 3)

Ziel einer Wurzelbehandlung ist, möglichst viel entzündetes oder abgestorbenes Gewebe (Pulpareste, "Nerv") aus dem Kanalsystem des Zahnes zu entfernen, damit keine weitere Zersetzung mit Abszessbildung im Knochenmark eintritt.

Dazu stehen mechanische, chemische und physikalische Methoden zur Verfügung.

Die sogenannte mechanische Aufbereitung der Wurzelkanäle erfogt mit sog. Wurzelfeilen (Abb. 3), die schabend und rotierend in die Wurzelkanäle eingeführt werden und die Kanäle wie "scharfe Förderspiralen" reinigen und erweitern.

Die größte Schwierigkeit dabei besteht darin, die engen und oft gekrümmten Wurzelkanäle vollständig - das heißt bis zur Wurzelspitze - zu erreichen. Dies gelingt vielfach nur mit großer Mühe und hohem technischen Aufwand (Abb. 4), Abb. 6), Abb. 8)).

Abb. 4)

Abb. 5)

Mikroskopeinsatz: Moderne Endodontie (Wurzelbehandlung) bedient sich der Mikroskopie, um die feinen Röhrensysteme im Zahn überhaupt erkennen zu können. Diese sind mit bloßem Auge nicht sichtbar, so daß Wurzelbehandlungen ohne Mikroskop nach Gefühl und nicht unter Sichtkontrolle erfolgen.

Elektrometrie: Weiterhin wird die Navigation in den Wurzelkanälen durch elektronische Systeme unterstützt.

Abb. 6)

 

Abb. 7)

Laseranwendung: Die oben beschriebenen Seitenkanäle sind mechanisch nicht erreichbar. Die dort verbleibenden Bakterien überleben die Wurzelbehandlung und führen manchmal trotz korrekter Versorgung der Haupt-Kanäle zu weiteren Schmerzen und "Vereiterungen".

Diese Bakterien können mit gezielt eingesetzter Hitze abgetötet und die Erfolgsaussicht einer Wurzelbehandlung damit stark erhöht werden. Die bislang einzige sichere Methode zur thermischen Abtötung von Bakterien in Wurzel- und Seitenkanälen erfolgt mit geeigneten Hard-Lasern.

Letztlich müssen die Wurzelkanäle hermetisch versiegelt werden, was ebenso schwierig wie die korrekte Aufbereitung ist.

Kosten: Zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse dürfen nur noch solche Zähne behandelt werden, die

  • in einer geschlossenen Zahnreihe stehen,
  • gerade, leicht zu erreichende Wurzelkanäle aufweisen,
  • keine röntgensichtbaren Entzündungen an der Wurzelspitze zeigen,
  • eine gute Erfolgsaussicht der Therapie vermuten lassen.

Zähne, bei denen ein sogenannter Erhaltungsversuch unternommen wird, dürfen seit 2004 nicht mehr zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung behandelt werden. Diese sind entweder zu extrahieren oder können nur im Rahmen einer Privatvereinbarung zwischen Patient und Praxis therapiert werden.

Daneben ist zu beachten, daß der Festbetrag, den die gesetzliche Krankenversicherung für Wurzelbehandlungen leisten kann, den Aufwand für eine langwierige oder schwierige Therapie bei einem Backenzahn bei weitem nicht deckt.

Ebenso kennt die gesetzliche Krankenversicherung keine Mikroskopanwendung, Elektrometrie, Ultraschallmethoden, Laseranwendung oder die Anwendung rotierender Nickel-Titan-Instrumente.

Entsprechende Informationen zu den gültigen Richtlinien der Verordnungsgeber (u.a. Krankenkassenverbände, Bundesamt für Gesundheit) erhalten Sie routinemäßig in unserer Praxis.

Nach neuester Richtlinie sind Mikroskop-kontrollierte Wurzelbehandlungen grundsätzlich eine Privatbehandlung.

Abb. 8) Vollständige Aufbereitung und Abfüllung eines hinteren Backenzahnes (27) trotz stark gebogener Kanäle. Eine solche Wurzelbehandlung ist grundsätzlich eine Privatleistung.